Mit dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes (CanG) am 1. April 2024 wurde in Deutschland der Besitz und Anbau von Cannabis für Erwachsene legalisiert – ein Paradigmenwechsel in der deutschen Drogenpolitik. Die KonCanG-Studie, durchgeführt vom Institut für Suchtforschung Frankfurt und der Evangelischen Hochschule Freiburg, hat erstmals systematisch untersucht, wie sich Konsumverhalten und Bezugswege seither verändert haben.
Zentrale Erkenntnisse
88 % der befragten Erwachsenen bezogen in den letzten sechs Monaten Cannabis über legale Wege (Eigenanbau, Apotheken oder Anbauvereinigungen).
Vor der Gesetzesänderung waren es nur 23,5 %, die auf diese – nun legale – Quellen zurückgriffen.
Der Anteil der Konsumierenden, die Cannabis über Dealer:innen erwerben, ist deutlich zurückgegangen.
Über 39 % der Befragten konsumieren täglich, besonders Männer und Personen mit intensivem Konsummuster.
Die beliebteste Konsumform bleibt der Joint mit Tabak, wobei Männer häufiger Vaporizer und Frauen häufiger Joints nutzen.
Auch die Nutzung von synthetischen Cannabisprodukten (z. B. HHC) ist verbreitet – besonders unter Jugendlichen (über 70 % seit CanG).
Einordnung und Bedeutung
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das neue Gesetz tatsächlich den illegalen Markt schwächt und gesundheitsschonendere Konsumformen begünstigt – etwa durch die Verlagerung in den häuslichen Bereich und durch Eigenanbau. Gleichzeitig zeigt sich: Jugendliche konsumieren zwar seltener, aber in riskanteren Settings (z. B. öffentlicher Raum, synthetische Produkte).
Fazit
Das Cannabisgesetz zeigt erste positive Wirkungen – vor allem durch die Schaffung legaler Bezugsquellen. Dennoch bleiben Herausforderungen bestehen: Die Aufklärung über risikoarme Konsumformen, der Schutz Jugendlicher und der Umgang mit Substanzen wie HHC sollten weiterhin im Fokus stehen.
Quelle / Herausgeber:
Der Bericht wurde erstellt von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz in Kooperation mit dem Institut für Therapieforschung (IFT), München.
Er ist Teil des Forschungsprojekts „KonCanG – Wissenschaftliche Begleitung zur Umsetzung des Cannabisgesetzes“, gefördert durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG).