Medizinisches Cannabis in auf den Patienten abgestimmter oraler (über den Mund aufgenommene) Einnahmeform

Ob die Lutschpastille nach der Rezeptur des Unternehmens Synbiotic SE, ein Unternehmen des Industriehanf- und Cannabis Marktes in enger Kooperation mit Bolder Arzneimittel, Experte für die Entwicklung und Herstellung pharmazeutischer Pastillen eine wahre Gaumenfreude sein wird, mag dahingestellt sein. Das Fertigarzneimittel, aktuell noch ohne Zulassung, könnte trotz allem ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein. 

Einen Vorteil hat die Darreichungsform aber ganz sicher, die Pharmakokinetik der oralen Einnahme:

Bei der oralen Einnahme von Cannabis tritt die Wirkung verzögert ein, typischerweise nach etwa 30 bis 90 Minuten. Dies liegt daran, dass die Cannabinoide zunächst den Verdauungstrakt passieren und über die Leber metabolisiert werden, bevor sie in den systemischen Kreislauf gelangen. Ein bedeutender Metabolit ist das 11-Hydroxy-THC, das eine stärkere psychoaktive Wirkung als THC selbst aufweist.

Die Gesamtwirkung hält in der Regel länger an als bei inhalativen Methoden, oft bis zu acht Stunden oder mehr.

Hinweise zur Anwendung

Es ist wichtig für verschreibende Ärzte darauf hinzuweisen, dass die Wirkung bei oraler Einnahme verzögert eintritt. Für unerfahrene Patienten besteht ansonsten das Risiko einer Überdosierung, falls diese einen schnellen Wirkungseintritt erwarten und ungeduldig nachdosieren. Daher sollte die Dosierung sorgfältig und individuell angepasst werden.

Da die orale Verabreichung am patientenfreundlichsten und für gewöhnlich die sicherste und kostengünstigste Form der Verabreichung ist, wird sie von der Pharmaindustrie auch am meisten verwendet. Bei oral eingenommenen Arzneimitteln kann die Absorption im Mund oder im Magen beginnen. Nahrungsmittel und andere Arzneimittel im Magen-Darm-Trakt könnten auf Cannabis einwirken.

Wechsel- und Nebenwirkungen durch die Einnahme anderer Medikamente muss hier erst noch erforscht werden. Daher ist anzuraten, Cannabis in größerem zeitlichen Abstand zu anderen Medikamenten einzunehmen.

Die meisten Arzneimittel werden vom Dünndarm aufgenommen, passieren erst die Darmwand und dann die Leber, ehe sie über das Blut zum Zielort gelangen. In der Darmwand und der Leber werden viele Substanzen chemisch verändert (verstoffwechselt = metabolisiert), wodurch sich die Menge verringert, die den Zielort tatsächlich erreicht. 

Manche Arzneimittel, die oral eingenommen werden, reizen den Verdauungstrakt. So können beispielsweise Aspirin und die meisten anderen nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) die Schleimhäute von Magen und Dünndarm reizen und so potenziell Geschwüre hervorrufen oder bestehende Geschwüre verschlimmern. Andere Arzneimittel werden vom Magen-Darm-Trakt schlecht oder unzuverlässig aufgenommen oder von der Säure und den Verdauungsenzymen im Magen zersetzt.

Bei der Beratung zu Cannabis sollte der Arzt und der Apotheker dieses Wissen beim Patienten nicht voraussetzen!

Hinweise zur Verhinderung einer Zugänglichkeit für Kinder sollten zusätzlich erwähnt werden!!!

Vorteile oraler Einnahme

  • Langanhaltende Wirkung: Die verlängerte Wirkungsdauer kann besonders bei chronischen Beschwerden von Vorteil sein, da sie eine kontinuierliche Symptomlinderung ermöglicht.

  • Diskretion und Benutzerfreundlichkeit: Orale Darreichungsformen [im Mundraum, unter der Zunge (sublingual) oder in der Backentasche (bukkal, zwischen Wange und Zahnfleisch) platziert] sind einfach zu handhaben, auf den Patienten abgestimmt und ermöglichen eine unauffällige Anwendung, was die Akzeptanz bei Patient:innen erhöhen könnte.

Bei einigen Krankheitsbildern, ohne sich über den Tag unterscheidende Symptomstärke, ist eine orale Einnahme vorteilhaft

  • Chronische Schmerzen: Die langanhaltende Wirkung der oralen Applikation eignet sich zur kontinuierlichen Schmerzlinderung.

  • Schlafstörungen: Durch die verlängerte Wirkungsdauer können Patient:innen von einer verbesserten Schlafqualität profitieren.

  • Spastiken bei Multipler Sklerose: Die muskelentspannenden Eigenschaften von Cannabinoiden können Spastiken reduzieren.

  • Übelkeit und Erbrechen: Insbesondere bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit kann die antiemetische Wirkung von Cannabinoiden hilfreich sein.

  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust: Bei Patient:innen mit HIV/AIDS oder Krebs kann Cannabis appetitstimulierend wirken.

Zusammenfassend bietet die orale Einnahme von Cannabis durch ihre langanhaltende Wirkung und die Möglichkeit einer diskreten Anwendung eine wertvolle Alternative zu inhalativen Methoden, insbesondere bei chronischen Erkrankungen, die eine kontinuierliche Symptomkontrolle erfordern.

Warum aber Lutschpastillen?

Die orale, transmukosale (über die Mundschleimhaut) Aufnahme über die Mundschleimhaut bietet gegenüber der inhalativen oder enteralen Applikation mehrere klinisch relevante Vorteile:

  • Schneller Wirkungseintritt durch direkte Aufnahme im Mundraum

  • Hohe Bioverfügbarkeit bei gleichzeitiger Umgehung des First-Pass-Effekts der Leber

  • Exakte Dosierbarkeit, individuelle Medikationspläne durch Herstellung nach Angaben des Arztes

  • Vielleicht mehr Diskretion und soziale Akzeptanz, falls kein Cannabisgeruch zurückbleibt?

Die Pastillen werden nach den veröffentlichen Angaben von ausschließlich auf ärztliche Verordnung hin hergestellt und in der Apotheke patientenindividuell zusammengesetzt. Der Vertrieb erfolgt über die Synbiotic-Töchter Weeco Pharma aus Hildesheim, die von Synbiotic Im Mai 2024 aufgekauft wurde und MH Medical Hemp, die seit 2021 zu Synbiotic gehören. MH Medical Hemp, gegründet von Daniel Kruse, Branchenpionier, Unternehmer und Präsident der European Industrial Hemp Association (EIHA) seit 2019 hat lange Erfahrungen in der Hanfindustrie und im Bereich Cannabinoidprodukte.