Viele Cannabis Patienten scheinen ständig Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Arzt zu haben. In Gesprächen mit verschiedenen Ärzten und Psychotherapeuten haben wir versucht herauszufinden, woran das liegt. Hier einige Gründe:

Die Internetpräsenz missverstanden

Psychotherapeuten und Diplom-Psychologen arbeiten zwar mit Cannabis-Patienten, dürfen aber keine Rezepte ausstellen. Psychiater und Neurologen dürfen dies.
Wer also Internetseiten nur überfliegt, gerät an genervte Sprechstundenhilfen oder Sekretärinnen, die ständig erläutern müssen, dass sie eine psychotherapeutische oder psychologische Praxis sind und keine Ärzte.
Was ist der Unterschied zwischen Psychiater und Psychotherapeut? Wer darf verschreiben?
Ein Psychiater, Neurologe, hat Medizin studiert und anschließend eine Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie absolviert. Ein Psychologe hat Psychologie studiert. Als Psychotherapeut kann er erst nach Abschluss einer mehrjährigen Ausbildung tätig werden. Ärzte, außer Zahn- und Tierärzten, dürfen verschreiben, auf Kassenrezept allerdings nur die Vertragsärzte der Krankenkassen, sonst muss man ein Privatrezept in Anspruch nehmen und dieses selbst bezahlen – Psychotherapeuten und Psychologen dürfen nicht verschreiben!

Die falsche Ansprache

Bin ich richtig bei einer Cannabispraxis? Die Antwort kann nur lauten „NEIN“, denn es gibt keine reinen Cannabispraxen.
Es gibt Praxen für bestimmte Facharztausrichtungen, das ist dann ein Arzt mit einer anerkannten Weiterbildung auf einem medizinischen Fachgebiet (wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Facharzt).
Die Organisationsformen unterscheiden sich auch; in Einzelpraxis, Berufsausübungsgemeinschaft (BAG, ÜBAG), unterteilt in Örtliche Berufsausübungsgemeinschaft (früher Gemeinschaftspraxis) und Überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft Praxisgemeinschaft, Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), Zweigpraxis (Filiale), aber auch das sind keine Cannabispraxen.
Kaum eine Praxis sieht sich gerne reduziert auf Cannabispraxis!

Die Art der Ansprache

Den vorherigen Arzt schlecht machen, sich auf Cannabis als einzig wirksames Medikament festlegen, sofort nach einem Rezept fragen, ich suche einen Arzt, der mir Cannabis verschreibt, ist vielleicht kein guter Einstieg in die Arbeitsbeziehung zu einem Arzt. Ärzte sind keine Lieferdienste oder Supermärkte. Sie haben meistens den Anspruch, ihre Diagnostik und ihre Behandlung selbst zu wählen.

Der Markt schafft neue Varianten…

Da einige Cannabispatienten aber oft einfach nur ihr Rezept wollen und ansonsten eher keine ärztliche Betreuung möchten, gibt es mittlerweile einige Ärzte, oder Arztzentren, die beschlossen haben, vorrangig Cannabispatienten anzunehmen. Diese verlangen dann Beratungsgebühren und stellen Privatrezepte aus. Beratung zu Cannabis als Medikament darf man dort jedoch meist nicht erwarten.
Wie Cannabispatienten Ärzte vergraulen und ganz sicher dafür sorgen, dass kein Patient mehr Cannabis bekommt:

  • Deutlich machen, dass man keine Beratung, Behandlung will, sondern nur ein Rezept.
  • Druck auf den Arzt ausüben bzgl. Medikation (Menge, Sorte).
  • Den Arzt vorführen, ihm zeigen, dass er keine Ahnung hat, man selbst viel mehr weiß.
  • Sich in der Praxis nicht mehr anständig benehmen, wenn der Arzt Cannabis nicht sofort verschreiben will. Ihn beleidigen, anschreien, toben sind da ganz gute Wege.
  • Rezepte fälschen, wenn er nicht aufgeschrieben hat, was man will.
  • Ärzte, die keine Ahnung haben, aber guten Willens sind dazu bringen große Mengen im Erstrezept ausstellen zu lassen. (Der Regress, also die Strafe für die Ärzte sorgt dann dafür, dass sie das nie wieder tun)
  • Insgesamt unhöflich, unfreundlich, ungeduldig sein, Müll in der Praxis zurücklassen, andere Patienten belästigen, die Sprechstundenhilfen belehren oder anschnauzen.

Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen.
 
Insgesamt haben Cannabispatienten mittlerweile bei Ärzten einen schlechten Ruf, sodass viele sich dagegen entschieden haben, mit Cannabis zu arbeiten. Schuld sind u. a. öffentliche Auftritte von dem einen oder anderen Cannabispatienten in den Medien,

  • in denen sie Joints rauchen (mit Tabak) und sich über die NRF lustig machen, eine Bong nutzen,
  • Videos, in denen sie berichten, wie sie Rezepte für Freizeitkonsum erhalten haben,
  • das Ausprobieren aller auf dem Markt verfügbaren Sorten, auch wenn zuvor hilfreiche verfügbar sind,
  • ständige negative Äußerungen über Polizei und Staat,
  • Forderungen nach einer Legalisierung in der Praxis,

all das ist Cannabispatienten nicht zuträglich.